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Salenche den 4. Nov. Mittags.
Bis ein schlechtes Mittagessen von sehr willigen Händen wird bereitet
sein, versuche ich das Merkwürdigste von heute früh aufzuschreiben.
Mit Tages Anbruch gingen wir zu Fuße von Cluse ab, den Weg nach Balme.
Angenehm frisch war's im Thal, das letzte Mondviertel ging vor der
Sonne hell auf und erfreute uns, weil man es selten so zu sehen
gewohnt ist. Leichte, einzelne Nebel stiegen aus den Felsritzen
aufwärts, als wenn die Morgenluft junge Geister aufweckte, die Lust
fühlten, ihre Brust der Sonne entgegen zu tragen und sie an ihren
Blicken zu vergülden. Der obere Himmel war ganz rein, nur wenige
durchleuchtete Wolkenstreifen zogen quer darüber hin. Balme ist ein
elendes Dorf, unfern vom Weg, wo sich eine Felsschlucht wendet. Wir
verlangten von den Leuten, daß sie uns zur Höhle führen sollten, von
der der Ort seinen Ruf hat. Da sahen sich die Leute unter einander an
und sagten einer zum andern: Nimm du die Leiter, ich will den Strick
nehmen, kommt ihr Herrn nur mit! Diese wunderbare Einladung schreckte
uns nicht ab, ihnen zu folgen. Zuerst ging der Stieg durch
abgestürzte Kalkfelsenstücke hinauf, die durch die Zeit vor die steile
Felswand aufgestufet worden und mit Hasel- und Buchenbüschen
durchwachsen sind. Auf ihnen kommt man endlich an die Schicht der
Felswand, wo man mühselig und leidig, auf der Leiter und Felsstufen,
mit Hülfe übergebogener Nußbaum-Äste und daran befestigter Stricke,
hinauf klettern muß dann steht man fröhlich in einem Portal das in den
Felsen eingewittert ist, übersieht das Thal und das Dorf unter sich.
Wir bereiteten uns zum Eingang in die Höhle, zündeten Lichter an und
luden eine Pistole, die wir losschießen wollten. Die Höhle ist ein
langer Gang, meist ebenen Bodens, auf Einer Schicht, bald zu einem
bald zu zwei Menschen breit, bald über Mannshöhe, dann wieder zum
Bücken und auch zum Durchkriechen. Gegen die Mitte steigt eine Kluft
aufwärts und bildet einen spitzigen Dom. In einer Ecke schiebt eine
Kluft abwärts, wo wir immer gelassen Siebzehn bis Neunzehn gezählt
haben, eh' ein Stein, mit verschiedentlich widerschallenden Sprüngen,
endlich in die Tiefe kam. An den Wänden sintert ein Tropfstein, doch
ist sie an den wenigsten Orten feucht, auch bilden sich lange nicht
die reichen wunderbaren Figuren, wie in der Baumanns-Höhle. Wir
drangen so weit vor, als es die Wasser zuließen, schossen im
Herausgehen die Pistole los, davon die Höhle mit einem starken dumpfen
Klang erschüttert wurde und um uns wie eine Glocke summte. Wir
brauchten eine starke Viertelstunde wieder heraus zu gehen, machten
uns die Felsen wieder hinunter, fanden unsern Wagen und fuhren weiter.
Wir sahen einen schönen Wasserfall auf Staubbachs Art; er war weder
sehr hoch noch sehr reich, doch sehr interessant, weil die Felsen um
ihn wie eine runde Nische bilden, in der er herabstürzt, und weil die
Kalkschichten an ihm, in sich selbst umgeschlagen, neue und ungewohnte
Formen bilden. Bei hohem Sonnenschein kamen wir hier an, nicht
hungrig genug, das Mittagessen, das aus einem aufgewärmten Fisch,
Kuhfleisch und hartem Brot bestehet, gut zu finden. Von hier geht
weiter in's Gebirg kein Fuhrweg für eine so stattliche Reisekutsche,
wie wir haben; diese geht nach Genf zurück und ich nehme Abschied von
Ihnen, um den Weg weiter fortzusetzen. Ein Maulesel mit dem Gepäck
wird uns auf dem Fuße folgen.
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