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das Schloß von Chillon ganz deutlich, das Gebirg das uns den Eingang
vom Wallis verdeckte, bis in den See, von da, an der Savoyer Küste,
Evian, Ripaille, Tonon, Dörfchen und Häuschen zwischen inne; Genf kam
endlich rechts auch aus dem Nebel, aber weiter gegen Mittag, gegen den
Montcrédo und Mont-vauche, wo das Fort l'Ecluse inne liegt, zog er
sich gar nicht weg. Wendeten wir uns wieder links, so lag das ganze
Land von Lausanne bis Solothurn in leichtem Duft. Die nähern Berge
und Höhen, auch alles, was weiße Häuser hatte, konnten wir erkennen;
man zeigte uns das Schloß Chanvan blinken, das vom Neuburgersee links
liegt, woraus wir seine Lage muthmaßen, ihn aber in dem blauen Duft
nicht erkennen konnten. Es sind keine Worte für die Größe und Schöne
dieses Anblicks, man ist sich im Augenblick selbst kaum bewußt, daß
man sieht, man ruft sich nur gern die Namen und alten Gestalten der
bekannten Städte und Orte zurück, und freut sich in einer taumelnden
Erkenntniß, daß das eben die weißen Puncte sind, die man vor sich hat.
Und immer wieder zog die Reihe der glänzenden Eisgebirge das Aug' und
die Seele an sich. Die Sonne wendete sich mehr gegen Abend und
erleuchtete ihre größern Flächen gegen uns zu. Schon was vom See auf
für schwarze Felsrücken, Zähne, Thürme und Mauern in vielfachen Reihen
vor ihnen aufsteigen! wilde, ungeheure, undurchdringliche Vorhöfe
bilden! wenn sie dann erst selbst in der Reinheit und Klarheit in der
freien Luft mannichfaltig da liegen; man gibt da gern jede Prätension
an's Unendliche auf, da man nicht einmal mit dem Endlichen im
Anschauen und Gedanken fertig werden kann.
Vor uns sahen wir ein fruchtbares bewohntes Land; der Boden worauf wir
stunden, ein hohes kahles Gebirge, trägt noch Gras, Futter für Thiere,
von denen der Mensch Nutzen zieht. Das kann sich der einbildische
Herr der Welt noch zueignen; aber jene sind wie eine heilige Reihe von
Jungfrauen, die der Geist des Himmels in unzugänglichen Gegenden, vor
unsern Augen, für sich allein in ewiger Reinheit aufbewahrt. Wir
blieben und reizten einander wechselsweise, Städte, Berge und Gegenden,
bald mit bloßem Auge, bald mit dem Teleskop, zu entdecken, und gingen
nicht eher abwärts, als bis die Sonne, im Weichen, den Nebel seinen
Abendhauch über den See breiten ließ. Wir kamen mit Sonnenuntergang
auf die Ruinen des Fort de St. Sergues. Auch näher am Thal, waren
unsre Augen nur auf die Eisgebirge gegenüber gerichtet. Die letzten,
links im Oberland, schienen in einen leichten Feuerdampf
aufzuschmelzen; die nächsten standen noch mit wohl bestimmten rothen
Seiten gegen uns, nach und nach wurden jene weiß, grün, graulich. Es
sah fast ängstlich aus. Wie ein gewaltiger Körper von außen gegen das
Herz zu abstirbt, so erblaßten alle langsam gegen den Montblanc zu,
dessen weiter Busen noch immer roth herüber glänzte und auch zuletzt
uns noch einen röthlichen Schein zu behalten schien, wie man den Tod
des Geliebten nicht gleich bekennen, und den Augenblick, wo der Puls
zu schlagen aufhört, nicht abschneiden will. Auch nun gingen wir
ungern weg. Die Pferde fanden wir in St. Sergues, und daß nichts fehl e,
stieg der Mond auf und leuchtete uns nach Nyon, indeß unterweges
unsere gespannten Sinnen sich wieder lieblich falten konnten, wieder
freundlich wurden, um mit frischer Lust aus den Fenstern des
Wirthshauses den breitschwimmenden Widerglanz des Mondes im ganz
reinen See genießen zu können.
Hier und da auf der ganzen Reise ward soviel von der Merkwürdigkeit
der Savoyer Eisgebirge gesprochen, und wie wir nach Genf kamen, hörten
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