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Die Orbe fließt in der Mitte durch. Die Einwohner haben sich theils
in einzelnen Häusern an der Seite angebaut, theils sind sie in Dörfern
näher zusammengerückt, die einfache Namen von ihrer Lage führen. Das
erste, wodurch wir kamen, war le Sentier. Wir sahen von weitem die
Dent de Vaulion über einem Nebel, der auf dem See stand, hervorblicken.
Das Thal ward breiter, wir kamen hinter einem Felsgrat, der uns den
See verdeckte, durch ein ander Dorf, le Lieu genannt, die Nebel
stiegen und fielen wechselsweise vor der Sonne.
Hier nahebei ist ein kleiner See, der keinen Zu- und Abfluß zu haben
scheint. Das Wetter klärte sich völlig auf und wir kamen gegen den
Fuß der Dent de Vaulion und trafen hier an's nördliche Ende des großen
Sees, der, indem er sich westwärts wendet, in den kleinen durch einen
Damm unter einer Brücke weg seinen Ausfluß hat. Das Dorf drüben heißt
le Pont. Die Lage des kleinen Sees ist wie in einem eigenen kleinen
Thal, was man niedlich sagen kann.
An dem westlichen Ende ist eine merkwürdige Mühle in einer Felskluft
angebracht, die ehemals der kleine See ausfüllte. Nunmehr ist er
abgedämmt und die Mühle in die Tiefe gebaut. Das Wasser läuft durch
Schleusen auf die Räder, es stürzt sich von da in Felsritzen, wo es
eingeschluckt wird und erst eine Stunde von da im Valorbe hervor kommt,
wo es wieder den Namen des Orbeflusses führet. Diese Abzüge
(entonnoirs) müssen rein gehalten werden, sonst würde das Wasser
steigen, die Kluft wieder ausfüllen und über die Mühle weg gehen, wie
es schon mehr geschehen ist. Sie waren stark in der Arbeit begriffen,
den morschen Kalkfelsen theils wegzuschaffen, theils zu befestigen.
Wir ritten zurück über die Brücke nach Pont, nahmen einen Wegweiser
auf la Dent.
Im Aufsteigen sahen wir nunmehr den großen See völlig hinter uns.
Ostwärts ist der noir Mont seine Gränze, hinter dem der kahle Gipfel
der Dole hervorkommt, westwärts hält ihn der Felsrücken, der gegen den
See ganz nackt ist, zusammen. Die Sonne schien heiß, es war zwischen
Eilf und Mittag. Nach und nach übersahen wir das ganze Thal, konnten
in der Ferne den Lac des Rousses erkennen, und weiter her bis zu
unsern Füßen die Gegend durch die wir gekommen waren, und den Weg der
uns rückwärts noch überblieb. Im Aufsteigen wurde von der großen
Strecke Landes und den Herrschaften, die man oben unterscheiden könnte,
gesprochen, und in solchen Gedanken betraten wir den Gipfel; allein
uns war ein ander Schauspiel zubereitet. Nur die hohen Gebirgketten
waren unter einem klaren und heitern Himmel sichtbar, alle niederen
Gegenden mit einem weißen wolkigen Nebelmeer überdeckt, das sich von
Genf bis nordwärts an den Horizont erstreckte und in der Sonne glänzte.
Daraus stieg ostwärts die ganze reine Reihe aller Schnee- und
Eisgebirge, ohne Unterschied von Namen der Völker und Fürsten, die sie
zu besitzen glauben, nur Einem großen Herrn und dem Blick der Sonne
unterworfen, der sie schön röthete.
Der Montblanc gegen uns über schien der höchste, die Eisgebirge des
Wallis und des Oberlandes folgten, zuletzt schlossen niedere Berge des
Cantons Bern. Gegen Abend war an einem Platze das Nebelmeer
unbegränzt, zur Linken in der weitsten Ferne zeigten sich sodann die
Gebirge von Solothurn, näher die von Neufchâtel, gleich vor uns einige
niedere Gipfel des Jura, unter uns lagen einige Häuser von Vaulion,
dahin die Dent gehört und daher sie den Namen hat.
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