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Bei'm Absteigen vom Gemmi sei die Frau ihm auf dem Rücken gestorben,
und er habe sie noch todt bis hinunter in's Leukerbad gebracht. Auf
Befragen, was es für Leute gewesen seien, und wie sie in dieser
Jahrszeit auf die Gebirge gekommen, sagte er: es seien arme Leute aus
dem Canton Bern gewesen, die, von Mangel getrieben, sich in
unschicklicher Jahrszeit auf den Weg gemacht, um Verwandte im Wallis
oder den italiänischen Provinzen aufzusuchen, und seien von der
Witterung übereilt worden. Sie erzählten ferner Geschichten, die
ihnen begegnen, wenn sie Winters Ziegenfelle über die Furka tragen, wo
sie aber immer gesellschaftsweise zusammen gingen. Der Pater machte
dazwischen viele Entschuldigungen wegen seines Essens, und wir
verdoppelten unsere Versicherungen, daß wir nicht mehr wünschten, und
erfuhren, da er das Gespräch auf sich und seinen Zustand lenkte, daß
er noch nicht sehr lange an diesem Platze sei. Er fing an vom
Predigtamte zu sprechen und von dem Geschick, das ein Prediger haben
müsse; er verglich ihn mit einem Kaufmann, der seine Waare wohl heraus
zu streichen und durch einen gefälligen Vortrag den Leuten angenehm zu
machen habe. Er setzte nach Tisch die Unterredung fort, und indem er
aufgestanden die linke Hand auf den Tisch stemmte, mit der rechten
seine Worte begleitete, und von der Rede selbst rednerisch redete, so
schien er in dem Augenblick uns überzeugen zu wollen, daß er selbst
der geschickte Kaufmann sei. Wir gaben ihm Beifall, und er kam von
dem Vortrage auf die Sache selbst. Er lobte die katholische Religion.
Eine Regel des Glaubens müssen wir haben, sagte er: und daß diese so
fest und unveränderlich als möglich sei, ist ihr größter Vorzug. Die
Schrift haben wir zum Fundamente unsers Glaubens, allein dieß ist
nicht hinreichend. Dem gemeinen Manne dürfen wir sie nicht in die
Hände geben; denn so heilig sie ist und von dem Geiste Gottes auf
allen Blättern zeugt, so kann doch der irdisch gesinnte Mensch dieses
nicht begreifen, sondern findet überall leicht Verwirrung und Anstoß.
Was soll ein Laie Gutes aus den schändlichen Geschichten, die darin
vorkommen, und die doch zu Stärkung des Glaubens für geprüfte und
erfahrne Kinder Gottes von dem heil. Geiste aufgezeichnet worden, was
soll ein gemeiner Mann daraus Gutes ziehen, der die Sachen nicht in
ihrem Zusammenhange betrachtet? Wie soll er sich aus den hier und da
anscheinenden Widersprüchen, aus der Unordnung der Bücher, aus der
mannichfaltigen Schreibart herauswickeln, da es den Gelehrten selbst
so schwer wird, und die Gläubigen über so viele Stellen ihre Vernunft
gefangen nehmen müssen? Was sollen wir also lehren? Eine auf die
Schrift gegründete mit der besten Schriftauslegung bewiesene Regel!
Und wer soll die Schrift auslegen? Wer soll diese Regel festsetzen?
Etwa ich oder ein anderer einzelner Mensch? Mit nichten! Jeder hängt
die Sache auf eine andere Art zusammen, stellt sie sich nach seinem
Concepte vor. Das würde eben so viele Lehren als Köpfe geben, und
unsägliche Verwirrungen hervorbringen, wie es auch schon gethan hat.
Nein, es bleibt der allerheiligsten Kirche allein, die Schrift
auszulegen und die Regel zu bestimmen, wornach wir unsere
Seelenführung einzurichten haben. Und wer ist diese Kirche? Es ist
nicht etwa ein oder das andere Oberhaupt, ein oder das andere Glied
derselben, nein! Es sind die heiligsten, gelehrtesten, erfahrensten
Männer aller Zeiten, die sich zusammen vereiniget haben, nach und nach,
unter dem Beistand des heil. Geistes, dieses übereinstimmende große
und allgemeine Gebäude aufzuführen; die auf den großen Versammlungen
ihre Gedanken einander mitgetheilet, sich wechselseitig erbaut, die
Irrthümer verbannt und eine Sicherheit, eine Gewißheit unserer
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