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warme Stube und war sehr geschäftig, uns, indem wir unsere Stiefeln
auszogen und Wäsche wechselten, zu bedienen. Er bat uns einmal über
das andre, wir möchten ja völlig thun, als ob wir zu Hause wären.
Wegen des Essens müßten wir, sagte er, in Geduld stehen, indem sie in
ihrer langen Fasten begriffen wären, die bis Weihnachten dauert. Wir
versicherten ihm, daß eine warme Stube, ein Stück Brot und ein Glas
Wein, unter gegenwärtigen Umständen, alle unsere Wünsche erfülle. Er
reichte uns das Verlangte, und wir hatten uns kaum ein wenig erholt,
als er uns ihre Umstände und ihr Verhältniß hier auf diesem öden
Flecke zu erzählen anfing. Wir haben, sagte er, kein Hospitium, wie
die Patres auf dem Gotthard; wir sind hier Pfarrherrn und unser drei:
ich habe das Predigtamt auf mir, der zweite Pater die Schullehre und
der Bruder die Haushaltung. Er fuhr fort zu erzählen, wie
beschwerlich ihre Geschäfte seien, am Ende eines einsamen, von aller
Welt abgesonderten Thales zu liegen, und für sehr geringe Einkünfte
viele Arbeit zu thun. Es sei sonst diese, wie die übrigen dergleichen
Stellen, von einem Weltgeistlichen versehen worden, der aber, als
einstens eine Schneelauwine einen Theil des Dorfs bedeckt, sich mit
der Monstranz geflüchtet; da man ihn denn abgesetzt und sie, denen man
mehr Resignation zutraue, an dessen Stelle eingeführt habe. Ich habe
mich, um dieses zu schreiben, in eine obere Stube begeben, die durch
ein Loch von unten auf geheizt wird. Es kommt die Nachricht, daß das
Essen fertig ist, die, ob wir gleich schon einiges vorgearbeitet haben,
sehr willkommen klingt.
Nach Neun.
Die Patres, Herren, Knechte und Träger haben alle zusammen an Einem
Tische gegessen; nur der Frater, der die Küche besorgte, war erst ganz
gegen Ende der Tafel sichtbar. Er hatte aus Eiern, Milch und Mehl gar
mannichfaltige Speisen zusammengebracht, die wir uns eine nach der
andern sehr wohl schmecken ließen. Die Träger, die eine große Freude
hatten, von unserer glücklich vollbrachten Expedition zu reden, lobten
unsre seltene Geschicklichkeit im Gehen, und versicherten, daß sie es
nicht mit einem jeden unternehmen würden. Sie gestanden uns nun, daß
heute früh als sie aufgefordert wurden, erst einer gegangen sei, uns
zu recognosciren, um zu sehen, ob wir wohl die Miene hätten, mit ihnen
fortzukommen; denn sie hüteten sich sehr, alte oder schwache Leute in
dieser Jahrszeit zu begleiten, weil es ihre Pflicht sei, denjenigen,
dem sie einmal zugesagt ihn hinüber zu bringen, im Fall er matt oder
krank würde, zu tragen und selbst wenn er stürbe, nicht liegen zu
lassen, außer wenn sie in augenscheinliche Gefahr ihres eigenen Lebens
kämen. Es war nunmehr durch dieses Geständniß die Schleuse der
Erzählung aufgezogen, und nun brachte einer nach dem andern
Geschichten von beschwerlichen oder verunglückten Bergwanderungen
hervor, worin die Leute hier gleichsam wie in einem Elemente leben, so
daß sie mit der größten Gelassenheit Unglücksfälle erzählen, denen sie
täglich selbst unterworfen sind. Der eine brachte eine Geschichte vor,
wie er auf dem Kandersteg, um über den Gemmi zu gehen, mit noch einem
Kameraden, der denn auch immer mit Vor- und Zunamen genennt wird, in
tiefem Schnee, eine arme Familie angetroffen, die Mutter sterbend, den
Knaben halb todt, und den Vater in einer Gleichgültigkeit, die dem
Wahnsinne ähnlich gewesen. Er habe die Frau aufgehockt, sein Kamerade
den Sohn, und so haben sie den Vater, der nicht vom Flecke gewollt,
vor sich hergetrieben.
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