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nicht war und uns fünf Tage später als unsern Freund nach Luzern
führen würde, nicht reizend. Wir wünschen vielmehr das Wallis bis an
sein oberes Ende zu sehen, dahin wir morgen Abend kommen werden; und
wenn das Glück gut ist, so sitzen wir übermorgen um diese Zeit in
Realp in dem Ursner Thal, welches auf dem Gotthard nahe bei dessen
höchstem Gipfel ist. Sollten wir nicht über die Furka kommen, so
bleibt uns immer der Weg hierher unverschlossen, und wir werden
alsdann das aus Noth ergreifen, was wir aus Wahl nicht gerne thun.
Sie können sich vorstellen, daß ich hier schon wieder die Leute
examiniret habe, ob sie glauben, daß die Passage über die Furka offen
ist; denn das ist der Gedanke mit dem ich aufstehe, schlafen gehe, mit
dem ich den ganzen Tag über beschäftigt bin. Bisher war es einem
Marsch zu vergleichen, den man gegen einen Feind richtet, und nun
ist's, als wenn man sich dem Flecke nähert, wo er sich verschanzt hat
und man sich mit ihm herumschlagen muß. Außer unserm Maulthier sind
zwei Pferde auf morgen früh bestellt.
Münster, den 11. Abends 6 Uhr.
Wieder einen glücklichen und angenehmen Tag zurückgelegt! Heute früh
als wir von Brieg bei guter Tagszeit ausritten, sagte uns der Wirth
noch auf den Weg: Wenn der Berg, so nennen sie hier die Furka, gar zu
grimmig wäre, so möchten wir wieder zurückkehren und einen andern Weg
suchen. Mit unsern zwei Pferden und einem Maulesel kamen wir nun bald
über angenehme Matten, wo das Thal so eng wird, daß es kaum einige
Büchsenschüsse breit ist. Es hat daselbst eine schöne Weide, worauf
große Bäume stehen, und Felsstücke, die sich von benachbarten Bergen
abgelös't haben, zerstreut liegen. Das Thal wird immer enger, man
wird genöthiget an den Bergen seitwärts hinauf zu steigen, und hat
nunmehr die Rhone in einer schroffen Schlucht immer rechts unter sich.
In der Höhe aber breitet sich das Land wieder recht schön aus, auf
mannichfaltig gebogenen Hügeln sind schöne nahrhafte Matten, liegen
hübsche Örter, die mit ihren dunkelbraunen hölzernen Häusern gar
wunderlich unter dem Schnee hervor gucken. Wir gingen viel zu Fuß und
thaten's uns einander wechselseitig zu Gefallen. Denn ob man gleich
auf den Pferden sicher ist, so sieht es doch immer gefährlich aus,
wenn ein anderer, auf so schmalen Pfaden, von so einem schwachen
Thiere getragen, an einem schroffen Abgrund, vor einem herreitet.
Weil nun kein Vieh auf der Weide sein kann, indem die Menschen alle in
den Häusern stecken, so sieht eine solche Gegend sehr einsam aus, und
der Gedanke, daß man immer enger und enger zwischen ungeheuren
Gebirgen eingeschlossen wird, gibt der Imagination graue und
unangenehme Bilder, die einen, der nicht recht fest im Sattel säße,
gar leicht herab werfen könnten. Der Mensch ist niemals ganz Herr von
sich selbst. Da er die Zukunft nicht weiß, da ihm sogar der nächste
Augenblick verborgen ist; so hat er oft, wenn er etwas Ungemeines
vornimmt, mit unwillkürlichen Empfindungen, Ahnungen, traumartigen
Vorstellungen zu kämpfen, über die man kurz hinter drein wohl lachen
kann, die aber oft in dem Augenblicke der Entscheidung höchst
beschwerlich sind. In unserm Mittagsquartier begegnete uns was
Angenehmes. Wir traten bei einer Frau ein, in deren Hause es ganz
rechtlich aussah. Ihre Stube war nach hiesiger Landesart ausgetäfelt,
die Betten mit Schnitzwerk gezieret, die Schränke, Tische und was
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