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Wir machen uns bei Licht zurechte, um mit Tages Anbruch wieder
hinunter zu gehen. Diese Nacht habe ich ziemlich unruhig zugebracht.
Ich lag kaum im Bette, so kam mir vor als wenn ich über und über mit
einer Nesselsucht befallen wäre; doch merkte ich bald, daß es ein
großes Heer hüpfender Insecten war, die den neuen Ankömmling
blutdürstig überfielen. Diese Thiere erzeugen sich in den hölzernen
Häusern in großer Menge. Die Nacht ward mir sehr lang und ich war
zufrieden, als man uns den Morgen Licht brachte.
Leuk, gegen 10 Uhr.
Wir haben nicht viel Zeit, doch will ich, eh' wir hier weggehen, die
merkwürdige Trennung unserer Gesellschaft melden, die hier vorgegangen
ist, und was sie veranlaßt hat. Wir gingen mit Tages Anbruch heute
von Leukerbad aus, und hatten im frischen Schnee einen schlüpfrigen
Weg über die Matten zu machen. Wir kamen bald nach Inden, wo wir dann
den steilen Weg, den wir gestern herunter kamen, zur Rechten über uns
ließen, und auf der Matte nach der Schlucht, die uns nunmehr links lag,
hinabstiegen. Es ist diese wild und mit Bäumen verwachsen, doch geht
ein ganz leidlicher Weg hinunter. Durch diese Felsklüfte hat das
Wasser, das vom Leukerbad kommt, seine Abflüsse in's Wallisthal. Wir
sahen in der Höhe an der Seite des Felsens, den wir gestern herunter
gekommen waren, eine Wasserleitung gar künstlich eingehauen, wodurch
ein Bach erst daran her, dann durch eine Höhle, aus dem Gebirge in das
benachbarte Dorf geleitet wird. Wir mußten nunmehr wieder einen Hügel
hinauf und sahen dann bald das offene Wallis und die garstige Stadt
Leuk unter uns liegen. Es sind diese Städtchen meist an die Berge
angeflickt, die Dächer mit groben geriss'nen Schindeln unzierlich
gedeckt, die durch die Jahrszeit ganz schwarz gefault und vermoos't
sind. Wie man auch nur hinein tritt, so ekelt's einem, denn es ist
überall unsauber; Mangel und ängstlicher Erwerb dieser privilegirten
und freien Bewohner kommt überall zum Vorschein. Wir fanden den
Freund, der die schlimme Nachricht brachte, daß es nunmehr mit den
Pferden sehr beschwerlich weiter zu gehen anfinge. Die Ställe werden
kleiner und enger, weil sie nur auf Maulesel und Saumrosse
eingerichtet sind; der Haber fängt auch an sehr selten zu werden, ja
man sagt, daß weiter hin in's Gebirg gar keiner mehr anzutreffen sei.
Ein Beschluß war bald gefaßt: der Freund sollte mit den Pferden das
Wallis wieder hinunter über Bex, Vevey, Lausanne, Freiburg und Bern
auf Luzern gehen, der Graf und ich wollten unsern Weg das Wallis
hinauf fortsetzen, versuchen, wo wir auf den Gotthard hinauf dringen
könnten, alsdann durch den Canton Uri über den Vier-Waldstädtersee
gleichfalls in Luzern eintreffen. Man findet in dieser Gegend überall
Maulthiere, die auf solchen Wegen immer besser sind als Pferde, und zu
Fuße zu gehen ist am Ende doch immer das Angenehmste. Wir haben
unsere Sachen getrennet. Der Freund ist fort, unser Mantelsack wird
auf ein Maulthier das wir gemiethet haben gepackt, und so wollen wir
aufbrechen und unsern Weg zu Fuße nach Brieg nehmen. Am Himmel sieht
es bunt aus, doch ich denke, das gute Glück, das uns bisher begleitet
und uns so weit gelockt hat, soll uns auf dem Platze nicht verlassen,
wo wir es am nöthigsten brauchen.
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