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wohl bekannt war, so fiel es uns leicht, von einer willigen Frau ein
gut Glas rothen Wein und Brot zu erhalten, da sie eigentlich in dieser
Gegend keine Wirthshäuser haben. Nun ging es die hohe Schlucht hinter
Inden hinauf, wo wir denn bald den so schrecklich beschriebenen
Gemmiberg vor uns sahen, und das Leukerbad an seinem Fuß, zwischen
andern hohen, unwegsamen und mit Schnee bedeckten Gebirgen, gleichsam
wie in einer hohlen Hand liegen fanden. Es war gegen Drei als wir
ankamen; unser Führer schaffte uns bald Quartier. Es ist zwar kein
Gasthof hier, aber alle Leute sind so ziemlich, wegen der vielen
Badegäste, die hieher kommen, eingerichtet. Unsere Wirthin liegt seit
gestern in den Wochen, und ihr Mann macht mit einer alten Mutter und
der Magd ganz artig die Ehre des Hauses. Wir bestellten etwas zu
essen und ließen uns die warmen Quellen zeigen, die an verschiedenen
Orten sehr stark aus der Erde hervorkommen und reinlich eingefaßt sind.
Außer dem Dorfe, gegen das Gebirg zu, sollen noch einige stärkere
sein. Es hat dieses Wasser nicht den mindesten schwefelichten Geruch,
setzt wo es quillt und wo es durchfließt nicht den mindesten Oker noch
sonst irgend etwas Mineralisches oder Irdisches an, sondern läßt wie
ein anderes reines Wasser keine Spur zurück. Es ist, wenn es aus der
Erde kommt, sehr heiß und wegen seiner guten Kräfte berühmt. Wir
hatten noch Zeit zu einem Spaziergang gegen den Fuß des Gemmi, der uns
ganz nah zu liegen schien. Ich muß hier wieder bemerken, was schon so
oft vorgekommen, daß wenn man mit Gebirgen umschlossen ist, einem alle
Gegenstände so außerordentlich nahe scheinen. Wir hatten eine starke
Stunde über herunter gestürzte Felsstücke und dazwischen geschwemmten
Kies hinauf zu steigen, bis wir uns an dem Fuß des ungeheuren
Gemmibergs, wo der Weg an steilen Klippen aufwärts gehet, befanden.
Es ist dieß der Übergang in's Berner Gebiet, wo alle Kranken sich
müssen in Sänften herunter tragen lassen. Hieß' uns die Jahrszeit
nicht eilen, so würde wahrscheinlicher Weise morgen ein Versuch
gemacht werden, diesen so merkwürdigen Berg zu besteigen: so aber
werden wir uns mit der bloßen Ansicht für dießmal begnügen müssen.
Wie wir zurückgingen, sahen wir dem Gebräude der Wolken zu, das in der
jetzigen Jahrszeit in diesen Gegenden äußerst interessant ist. Über
das schöne Wetter haben wir bisher ganz vergessen, daß wir im November
leben; es ist auch, wie man uns im Bernschen voraussagte, hier der
Herbst sehr gefällig. Die frühen Abende und Schnee verkündende Wolken
erinnern uns aber doch manchmal, daß wir tief in der Jahrszeit sind.
Das wunderbare Wehen, das sie heute Abend verführten, war
außerordentlich schön. Als wir vom Fuß des Gemmiberges zurückkamen,
sahen wir, aus der Schlucht von Inden herauf, leichte Nebelwolken sich
mit großer Schnelligkeit bewegen. Sie wechselten bald rückwärts bald
vorwärts, und kamen endlich aufsteigend dem Leukerbad so nah, daß wir
wohl sahen, wir mußten unsere Schritte verdoppeln, um bei
hereinbrechender Nacht nicht in Wolken eingewickelt zu werden. Wir
kamen auch glücklich zu Hause an, und während ich dieses hinschreibe,
legen sich wirklich die Wolken ganz ernstlich in einen kleinen artigen
Schnee aus einander. Es ist dieser der erste, den wir haben, und,
wenn wir auf unsere gestrige warme Reise von Martinach nach Sion, auf
die noch ziemlich belaubten Rebengeländer zurückdenken, eine sehr
schnelle Abwechslung. Ich bin in die Thüre getreten, ich habe dem
Wesen der Wolken eine Weile zugesehen, das über alle Beschreibung
schön ist.
Eigentlich ist es noch nicht Nacht, aber sie verhüllen abwechselnd den
Himmel und machen dunkel. Aus den tiefen Felsschluchten steigen sie
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