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mehr fähig. Der Mensch glaubt verloren zu haben, er hat aber gewonnen.
Was er an Wollust verliert, gewinnt er an innerm Wachsthum. Hätte
mich nur das Schicksal in irgend einer großen Gegend heißen wohnen,
ich wollte mit jedem Morgen Nahrung der Großheit aus ihr saugen, wie
aus einem lieblichen Thal Geduld und Stille. Am Ende der Schlucht
stieg ich ab und kehrte einen Theil allein zurück. Ich entwickelte
mir noch ein tiefes Gefühl, durch welches das Vergnügen auf einen
hohen Grad für den aufmerksamen Geist vermehrt wird. Man ahnet im
Dunkeln die Entstehung und das Leben dieser seltsamen Gestalten. Es
mag geschehen sein wie und wann es wolle, so haben sich diese Massen,
nach der Schwere und Ähnlichkeit ihrer Theile, groß und einfach
zusammen gesetzt. Was für Revolutionen sie nachher bewegt, getrennt,
gespalten haben, so sind auch diese doch nur einzelne Erschütterungen
gewesen, und selbst der Gedanke einer so ungeheuren Bewegung gibt ein
hohes Gefühl von ewiger Festigkeit. Die Zeit hat auch, gebunden an
die ewigen Gesetze, bald mehr bald weniger auf sie gewirkt.
Sie scheinen innerlich von gelblicher Farbe zu sein; allein das Wetter
und die Luft verändern die Oberfläche in Graublau, daß nur hier und da
in Streifen und in frischen Spalten die erste Farbe sichtbar ist.
Langsam verwittert der Stein selbst und rundet sich an den Ecken ab,
weichere Flecken werden weggezehrt, und so gibt's gar zierlich
ausgeschweifte Höhlen und Löcher, die, wann sie mit scharfen Kanten
und Spitzen zusammen treffen, sich seltsam zeichnen. Die Vegetation
behauptet ihr Recht; auf jedem Vorsprung, Fläche und Spalt fassen
Fichten Wurzel, Moos und Kräuter säumen die Felsen. Man fühlt tief,
hier ist nichts Willkürliches, hier wirkt ein alles langsam bewegendes
ewiges Gesetz, und nur von Menschenhand ist der bequeme Weg, über den
man durch diese seltsamen Gegenden durchschleicht.
Genf, den 27. October.
Die große Bergkette, die von Basel bis Genf Schweiz und Frankreich
scheidet, wird, wie Ihnen bekannt ist, der Jura genannt. Die größten
Höhen davon ziehen sich über Lausanne bis ungefähr über Rolle und Nyon.
Auf diesem höchsten Rücken ist ein merkwürdiges Thal von der Natur
eingegraben ich möchte sagen eingeschwemmt, da auf allen diesen
Kalkhöhen die Wirkungen der uralten Gewässer sichtbar sind das la
Vallée de Joux genannt wird, welcher Name, da Joux in der Landsprache
einen Felsen oder Berg bedeutet, deutsch das Bergthal hieße. Eh' ich
zur Beschreibung unsrer Reise fortgehe, will ich mit wenigem die Lage
desselben geographisch angeben. Seine Länge streicht, wie das Gebirg
selbst, ziemlich von Mittag gegen Mitternacht, und wird an jener Seite
von den Septmoncels, an dieser von der Dent de Vaulion, welche nach
der Dole der höchste Gipfel des Jura ist, begränzt und hat, nach der
Sage des Landes, neun kleine, nach unsrer ungefähren Reiserechnung
aber sechs starke Stunden. Der Berg, der es die Länge hin an der
Morgenseite begränzt und auch von dem flachen Land herauf sichtbar ist,
heißt Le noir Mont. Gegen Abend streicht der Risou hin und verliert
sich allmählich gegen die Franche-Comté.
Frankreich und Bern theilen sich ziemlich gleich in dieses Thal, so
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