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der Freund indessen die Pferde hier erwarten und uns morgen in Leuk
wieder antreffen.
Leukerbad, den 9ten, am Fuß des Gemmiberges.
In einem kleinen breternen Haus, wo wir von sehr braven Leuten gar
freundlich aufgenommen worden, sitzen wir in einer schmalen und
niedrigen Stube, und ich will sehen, wie viel von unserer heutigen
sehr interessanten Tour durch Worte mitzutheilen ist. Von Seyters
stiegen wir heute früh drei Stunden lang einen Berg herauf, nachdem
wir vorherSteinen und Kies Felder, Wiesen und Gärten, die denn nach
und nach kümmerlich, wenn es allenfalls noch möglich ist, von den
Leuten wieder hergestellt und nach ein paar Generationen vielleicht
wieder verschüttet werden. Wir hatten einen grauen Tag mit
abwechselnden Sonnenblicken. Es ist nicht zu beschreiben, wie
mannichfaltig auch hier das Wallis wieder wird; mit jedem Augenblick
biegt und verändert sich die Landschaft. Es scheint alles sehr nah
beisammen zu liegen, und man ist doch durch große Schluchten und Berge
getrennt. Wir hatten bisher noch meist das offene Wallisthal rechts
neben uns gehabt, als sich auf einmal ein schöner Anblick in's Gebirg
vor uns aufthat.
Ich muß, um anschaulicher zu machen was ich beschreiben will, etwas
von der geographischen Lage der Gegend, wo wir uns befinden, sagen.
Wir waren nun schon drei Stunden aufwärts in das ungeheure Gebirg
gestiegen, das Wallis von Bern trennet. Es ist eben der Stock von
Bergen, der in Einemfort vom Genfersee bis auf den Gotthard läuft, und
auf dem sich in dem Berner Gebiet die großen Eis- und Schnee-Massen
eingenistet haben. Hier sind oben und unten relative Worte des
Augenblicks. Ich sage, unter mir auf einer Fläche liegt ein Dorf, und
eben diese Fläche liegt vielleicht wieder an einem Abgrund, der viel
höher ist als mein Verhältniß zu ihr. Wir sahen, als wir um eine Ecke
herumkamen und bei einem Heiligenstock ausruhten, unter uns am Ende
einer schönen grünen Matte, die an einem ungeheuren Felsschlund
herging, das Dorf Inden mit
Mitte von der Landschaft liegen. Über der Schlucht drüben gingen
wieder Matten und Tannenwälder aufwärts, gleich hinter dem Dorfe stieg
eine große Kluft von Felsen in die Höhe, die Berge von der linken
Seite schlossen sich bis zu uns an, die von der rechten setzten auch
ihre Rücken weiter fort, so daß das Dörfchen mit seiner weißen Kirche
gleichsam wie im Brennpunct von so viel zusammenlaufenden Felsen und
Klüften dastand. Der Weg nach Inden ist in die steile Felswand
gehauen, die dieses Amphitheater von der linken Seite, im Hingehen
gerechnet, einschließt. Es ist dieses kein gefährlicher aber doch
sehr fürchterlich aussehender Weg. Er geht auf den Lagen einer
schroffen Felswand hinunter, an der rechten Seite mit einer geringen
Planke von dem Abgrunde gesondert.
Ein Kerl, der mit einem Maulesel neben uns hinab stieg, faßte sein
Thier, wenn es an gefährliche Stellen kam, bei'm Schweife, um ihm
einige Hülfe zu geben, wenn es gar zu steil vor sich hinunter in den
Felsen hinein mußte. Endlich kamen wir in Inden an, und da unser Bote
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