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hinauf, wo herunter sich eine der schönsten Aussichten zeigte, die ich
auf dem ganzen Wege gesehen habe. Die nächsten Berge schossen auf
beiden Seiten mit ihren Lagen in die Erde ein, und verjüngten durch
ihre Gestalt die Gegend gleichsam perspectivisch. Die ganze Breite
des Wallis von Berg zu Berg lag bequem anzusehen unter uns; die Rhone
kam, mit ihren mannichfaltigen Krümmen und Buschwerken, bei Dörfern,
Wiesen und angebauten Hügeln vorbeigeflossen; in der Entfernung sah
man die Burg von Sion und die verschiedenen Hügel die sich dahinter zu
erheben anfingen; die letzte Gegend ward wie mit einem
Amphitheaterbogen durch eine Reihe von Schneegebirgen geschlossen, die
wie das übrige Ganze von der hohen steinig der Weg war, den wir zu
reiten hatten, so erfreulich fanden wir die noch ziemlich grünen
Reblauben die ihn bedeckten. Die Einwohner, denen jedes Fleckchen
Erdreich kostbar ist, pflanzen ihre Weinstöcke gleich an ihre Mauern
die ihre Güter von dem Wege scheiden; sie wachsen zu außerordentlicher
Dicke und werden vermittelst Pfählen und Latten über den Weg gezogen,
so daß er fast eine aneinanderhangende Laube bildet. In dem untern
Theil war meistens Wiesewachs, doch fanden wir auch, da wir uns Sion
näherten, einigen Feldbau. Gegen diese Stadt zu wird die Gegend durch
wechselnde Hügel außerordentlich mannichfaltig, und man wünschte eine
längere Zeit des Aufenthalts genießen zu können. Doch unterbricht die
Häßlichkeit der Städte und der Menschen die angenehmen Empfindungen,
welche die Landschaft erregt, gar sehr. Die scheußlichen Kröpfe haben
mich ganz und gar üblen Humors gemacht. Unsern Pferden dürfen wir
wohl heute nichts mehr zumuthen, und denken deßwegen zu Fuße nach
Seyters zu gehen. Hier in Sion ist das Wirthshaus abscheulich, und
die Stadt hat ein widriges schwarzes Ansehn.
Seyters, den 8. Nov. Nachts.
Da wir bei einbrechendem Abend erst von Sion weggegangen, sind wir bei
Nacht unter einem hellen Sternhimmel hier angekommen. Wir haben
einige schöne Aussichten darüber verloren, merk' ich wohl. Besonders
wünschten wir das Schloß Tourbillion, das bei Sion liegt, erstiegen zu
haben; es muß von da aus eine ganz ungemein schöne Aussicht sein. Ein
Bote, den wir mitnahmen, brachte uns glücklich durch einige böse
Flecke, wo das Wasser ausgetreten war. Bald erreichten wir die Höhe
und hatten die Rhone immer rechts unter uns. Mit verschiedenen
astronomischen Gesprächen verkürzten wir den Weg, und sind bei guten
Leuten, die ihr Bestes thun werden uns zu bewirthen, eingekehret.
Wenn man zurück denkt, kommt einem so ein durchlebter Tag, wegen der
mancherlei Gegenstände, fast wie eine Woche vor. Es fängt mir an
recht leid zu thun, daß ich nicht Zeit und Geschick habe, die
merkwürdigsten Gegenden auch nur linienweise zu zeichnen; es ist immer
besser als alle Beschreibungen für einen Abwesenden.
Seyters, den 9ten.
Noch ehe wir aufbrechen, kann ich Ihnen einen guten Morgen bieten.
Der Graf wird mit mir links in's Gebirg nach dem Leukerbad zu gehen,
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