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Wir wußten, daß wir uns dem berühmten Wasserfall der Pisse vach e
näherten, und wünschten einen Sonnenblick, wozu uns die wechselnden
Wolken einige Hoffnung machten. An dem Wege betrachteten wir die
vielen Granit- und Gneißstücke, die bei ihrer Verschiedenheit doch
alle Eines Ursprungs zu sein schienen. Endlich traten wir vor den
Wasserfall, der seinen Ruhm vor vielen andern verdient. In ziemlicher
Höhe schießt aus einer engen Felskluft ein starker Bach flammend
herunter in ein Becken, wo er in Staub und Schaum sich weit und breit
im Wind herumtreibt. Die Sonne trat hervor und machte den Anblick
doppelt lebendig. Unten im Wasserstaube hat man einen Regenbogen hin
und wieder, wie man geht, ganz nahe vor sich. Tritt man weiter hinauf,
so sieht man noch eine schönere Erscheinung. Die luftigen
schäumenden Wellen des obern Strahls, wenn sie gischend und flüchtig
die Linien berühren, wo in unsern Augen der Regenbogen entstehet,
färben sich flammend, ohne daß die aneinanderhängende Gestalt eines
Bogens erschiene; und so ist an dem Platze immer eine wechselnde
feurige Bewegung. Wir kletterten dran herum, setzten uns dabei nieder
und wünschten ganze Tage und gute Stunden des Lebens dabei zubringen
zu können. Auch hier wieder, wie so oft auf dieser Reise, fühlten wir,
daß große Gegenstände im Vorübergehen gar nicht empfunden un d
genossen werden können. Wir kamen in ein Dorf wo lustige Soldaten
waren, und tranken daselbst neuen Wein, den man uns gestern auch schon
vorgesetzt hatte. Er sieht aus wie Seifenwasser, doch mag ich ihn
lieber trinken als ihren sauren jährigen und zweijährigen. Wenn man
durstig ist, bekommt alles wohl. Wir sahen St. Maurice von weitem,
wie es just an einem Platze liegt, wo das Thal sich zu einem Passe
zusammendrückt. Links über der Stadt sahen wir an einer Felsenwand
eine kleine Kirche mit einer Einsiedelei angeflickt, wo wir noch
hinaufzusteigen denken. Hier im Wirthshaus fanden wir ein Billet vom
Freunde, der zu Bex, drei viertel Stunden von hier, geblieben ist.
Wir haben ihm einen Boten geschickt. Der Graf ist spazieren gegangen,
vorwärts die Gegend noch zu sehen; ich will einen Bissen essen und
alsdann auch nach der berühmten Brücke und dem Paß zu gehn.
Nach Eins.
Ich bin wieder zurück von dem Fleckchen, wo man Tage lang sitzen,
zeichnen, herumschleichen, und ohne müde zu werden sich mit sich
selbst unterhalten könnte. Wenn ich jemanden einen Weg in's Wallis
rathen sollte, so wär' es dieser vom Genfersee die Rhone herauf. Ich
bin auf dem Weg nach Bex zu über die große Brücke gegangen, wo man
gleich in's Berner Gebiet eintritt. Die Rhone fließt dort hinunter
und das Thal wird nach dem See zu etwas weiter. Wie ich mich umkehrte,
sah ich die Felsen sich bei St. Maurice zusammen drücken, und über
die Rhone, die unten durchrauscht, in einem hohen Bogen eine schmale
leichte Brücke kühn hinüber gesprengt. Die mannichfaltigen Erker und
Thürme einer Burg schließen drüben gleich an, und mit einem einzigen
Thore ist der Eingang in's Wallis gesperrt. Ich ging über die Brücke
nach St. Maurice zurück, suchte noch vorher einen Gesichtspunct, den
ich bei Hubern gezeichnet gesehn habe und auch ungefähr fand.
Der Graf ist wieder gekommen, er war den Pferden entgegen gegangen und
hat sich auf seinem Braunen voraus gemacht. Er sagt, die Brücke sei
so schön und leicht gebaut, daß es aussehe als wenn ein Pferd flüchtig
über einen Graben setzt. Der Freund kommt auch an, zufrieden von
seiner Reise. Er hat den Weg am Genfersee her bis Bex in wenigen
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