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unter uns sahen wir durch den manchmal zerrissenen Nebel in's ganze
Thal Chamouni, und zwischen diesen beiden Wolkenschichten waren die
Gipfel der Berge alle sichtbar. Auf der Ostseite waren wir von
schroffen Gebirgen eingeschlossen, auf der Abendseite sahen wir in
ungeheure Thäler, wo doch auf einigen Matten sich menschliche
Wohnungen zeigten. Vorwärts lag uns das Wallisthal, wo man mit einem
Blick bis Martinach und weiter hinein mannichfaltig über einander
geschlungene Berge sehen konnte. Auf allen Seiten von Gebirgen
umschlossen, die sich weiter gegen den Horizont immer zu vermehren und
aufzuthürmen schienen, so standen wir auf der Gränze von Savoyen und
Wallis. Einige Contrebandiers kamen mit Mauleseln den Berg herauf und
erschraken vor uns, da sie an dem Platz jetzo niemand vermutheten.
Sie thaten einen Schuß, als ob sie sagen wollten: damit ihr seht, daß
sie geladen sind, und einer ging voraus, um uns zu recognosciren. Da
er unsern Führer erkannte und unsere harmlosen Figuren sah, rückten
die andern auch näher, und wir zogen mit wechselseitigen Glückwünschen
an einander vorbei. Der Wind ging scharf und es fing ein wenig an zu
schneien. Nunmehr ging es einen sehr rauhen und wilden Stieg abwärts,
durch einen alten Fichtenwald, der sich auf Fels-Platten von Gneiß
eingewurzelt hatte. Vom Wind über einander gerissen verfaulten hier
die Stämme mit ihren Wurzeln, und die zugleich losgebrochenen Felsen
lagen schroff durch einander. Endlich kamen wir in's Thal, wo der
Trientfluß aus einem Gletscher entspringt, ließen das Dörfchen Trient
ganz nahe rechts liegen und folgten dem Thale durch einen ziemlich
unbequemen Weg, bis wir endlich gegen Sechse hier in Martinach auf
flachem Wallisboden angekommen sind, wo wir uns zu weitern
Unternehmungen ausruhen wollen.
Martinach, den 6. Nov. 1779.
Abends.
Wie unsre Reise ununterbrochen fortgeht, knüpft sich auch ein Blatt
meiner Unterhaltung mit Ihnen an's andre, und kaum hab' ich das Ende
unserer Savoyer Wanderungen gefaltet und bei Seite gelegt, nehm' ich
schon wieder ein andres Papier, um Sie mit dem bekannt zu machen, was
wir zunächst vorhaben. Zu Nacht sind wir in ein Land getreten, nach
welchem unsre Neugier schon lange gespannt ist. Noch haben wir nichts
als die Gipfel der Berge, die das Thal von beiden Seiten einschließen,
in der Abenddämmerung gesehen. Wir sind im Wirthshause untergekrochen,
sehen zum Fenster hinaus die Wolken wechseln, es ist uns so heimlich
und so wohl, daß wir ein Dach haben, als Kindern, die sich aus Stühlen,
Tischblättern und Teppichen eine Hütte am Ofen machen und sich darin
bereden, es regne und schneie draußen, um angenehme eingebildete
Schauer in ihren wir in der Herbstnacht in einem fremden unbekannten
Lande. Aus der Karte wissen wir, daß wir in dem Winkel eines
Ellenbogens sitzen, von wo aus der kleinere Theil des Wallis, ungefähr
von Mittag gegen Mitternacht, die Rhone hinunter sich an den Genfersee
anschließt, der andere aber und längste, von Abend gegen Morgen, die
Rhone hinauf bis an ihren Ursprung, die Furka, streicht. Das Wallis
selbst zu durchreisen macht uns eine angenehme Aussicht; nur wie wir
oben hinaus kommen werden, erregt einige Sorge. Zuvörderst ist
festgesetzt, daß wir, um den untern Theil zu sehen, morgen bis St.
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