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ausgezackt. Es kommt daher, weil sie aus einer Gesteinart zusammen
gesetzt sind, deren Wände fast ganz perpendikular in die Erde
einschießen. Wittert eine leichter aus, so bleibt die andere spitz in
die Luft stehen. Solche Zacken werden Nadeln genennet und die
Aiguille du Dru ist eine solche hohe merkwürdige Spitze, gerade dem
Mont-Anvert gegenüber. Wir wollten nunmehr auch das Eismeer betreten
und diese ungeheuren Massen auf ihnen selbst beschauen. Wir stiegen
den Berg hinunter und machten einige hundert Schritte auf den wogigen
Krystallklippen herum. Es ist ein ganz trefflicher Anblick, wenn man,
auf dem Eise selbst stehend, den oberwärts sich herabdrängenden und
durch seltsame Spalten geschiedenen Massen entgegen sieht. Doch
wollt' es uns nicht länger auf diesem schlüpfrigen Boden gefallen, wir
waren weder mit Fußeisen, noch mit beschlagenen Schuhen gerüstet;
vielmehr hatten sich unsere Absätze durch den langen Marsch abgerundet
und geglättet. Wir machten uns also wieder zu den Hütten hinauf und
nach einigem Ausruhen zur Abreise fertig. Wir stiegen den Berg hinab
und kamen an den Ort, wo der Eisstrom stufenweis bis hinunter in's
Thal dringt, und traten in die Höhle in der er sein Wasser ausgießt.
Sie ist weit, tief, von dem schönsten Blau, und es steht sich sicherer
im Grund als vorn an der Mündung, weil an ihr sich immer große Stücke
Eis schmelzend ablösen. Wir nahmen unsern Weg nach dem Wirthshause zu,
bei der Wohnung zweier Blondins vorbei: Kinder von zwölf bis vierzehn
Jahren, die sehr weiße Haut, weiße, doch schroffe Haare, rothe und
bewegliche Augen wie die Kaninchen haben. Die tiefe Nacht, die im
Thale liegt, lädt mich zeitig zu Bette, und ich habe kaum noch so viel
Munterkeit Ihnen zu sagen, daß wir einen jungen zahmen Steinbock
gesehen haben, der sich unter den Ziegen ausnimmt, wie der natürliche
Sohn eines großen Herrn, dessen Erziehung in der Stille einer
bürgerlichen Familie aufgetragen ist.
Von unsern Discursen geht's nicht an, daß ich etwas außer der Reihe
mittheile. An Graniten, Gneißen, Lerchenund Zirbelbäumen finden S ie
auch keine große Erbauung; doch sollen Sie ehestens merkwürdige
Früchte von unserm Botanisiren zu sehen kriegen. Ich bilde mir ein,
sehr schlaftrunken zu sein und kann nicht eine Zeile weiter schreiben.
Chamouni, den 6. Nov. früh.
Zufrieden mit dem, was uns die Jahrszeit hier zu sehen erlaubte, sind
wir reisefertig, noch heute in's Wallis durchzudringen. Das ganze
Thal ist über und über bis an die Hälfte der Berge mit Nebel bedeckt,
und wir müssen erwarten, was Sonne und Wind zu unserm Vortheil thun
werden. Unser Führer schlägt uns einen Weg über den Col de Balme vor:
Ein hoher Berg, der an der nördlichen Seite des Thals gegen Wallis zu
liegt, auf dem wir, wenn wir glücklich sind, das Thal Chamouni, mit
seinen meisten Merkwürdigkeiten, noch auf einmal von der Höhe
übersehen können. Indem ich dieses schreibe, geschieht an dem Himmel
eine herrliche Erscheinung: Die Nebel, die sich bewegen und sich an
einigen Orten brechen, lassen wie durch Tagelöcher den blauen Himmel
sehen und zugleich die Gipfel der Berge, die oben, über unsrer
Dunstdecke, von der Morgensonne beschienen werden. Auch ohne die
Hoffnung eines schönen Tags ist dieser Anblick dem Aug' eine rechte
Weide. Erst jetzo hat man einiges Maß für die Höhe der Berge. Erst
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